Geschichte des Kirchspiels Pelkum Herringen
Das Dorf Herringen gilt als Hauptort einer kölnischen Stammpfarrei, die wie viele andere nach den Sachsenkriegen in der Zeit zwischen 800 und 1000 südlich der Lippe entstanden. Wahrscheinlich war St. Katharina in Unna die direkte „Mutterpfarrei“. Herringen gehört u.a. zusammen mit Unna, Berge, Rhynern, Soest und Werl zu den sogenannten „Urpfarreien“ im ehemals „Kölnischen Westfalen“.
Das Victor-Patronat deutet auf fränkischen Einfluss hin. Die Größe ist ein weiterer Hinweis in diese Richtung. Zum „Katholischen Kirchspiel Pelkum-Herringen“ gehörte ursprünglich (ab 1032) von West nach Ost ein Gebiet, das folgende Orte umfasste: Heil, Rünthe, Sandbochum, Herringen mit dem Hammer Westen, der „Westenfeldmark“ bis zur damaligen Ahse-Einmündung in die Lippe (in Höhe des heutigen Allee-Centers), Daberg und Lohauser Holz bis an die Grenze von Berge, dann Weetfeld, Wiescherhöfen, Pelkum, Haus Reck, Lerche bis an die Grenze von Kamen. Die Lippe war die Nordgrenze zur Diözese Münster. Die St. Jakobus-Kapelle in Pelkum blieb bis zur Reformation der Pfarrei Herringen unterstellt.
Urkundlich erwähnt ist Herringen in einer Urkunde des Kölner Erzbischofs aus dem Jahr 1032. Darin überschreibt der Erzbischof u.a. die Einnahmen des Ortes „Herringhe“ dem Benediktiner-Kloster in Köln-Deutz.
Mit der Reformation wurde die bisherige Pfarrkirche St. Victor evangelisch. Die Burgherren der Torcksburg in Nordherringen blieben als Gefolgsleute des Münsteraner Bischofs katholisch. So konnten die wenigen katholisch gebliebenen Familien im Umland die Burgkapelle benutzen, die 1322 dort errichtet worden war. Während bis dahin Geistliche aus dem Münsterland die Burgkapelle betreuten, versahen ab 1672 Franziskanerpatres aus Hamm (St. Agnes) diese Stelle. Als es später zwischen den Burgherren und den Franziskanern zum Zerwürfnis kam, und der bauliche Zustand der Burgkapelle sich zunehmend verschlechterte, wurde unter Pater Jannuarius Bunnemeyer (OFM) nach mühevollster Sammeltätigkeit die St. Peter- und Paulskapelle erbaut. Sie wurde am 25. Okt. 1775 feierlich eingeweiht. Ab 1804 übernimmt Pater Christian Velthaus (OFM) die Seelsorge in Nordheringen.
Erst 1842 wird St. Peter und Paul durch Bischof Damberg, Paderborn, zur kath. Pfarrkirche erhoben. Bis 1826 blieb sie finanziell noch immer von der ev. Gemeinde am Ort abhängig! Pfarrer Göckeler (1900 – 1908), Pfr. Becker (1909 – 1914) und Pfarrer Köhler (1914 – 1926) wohnten noch im Pfarrhaus neben der St. Peter- und Paulskapelle in Nordherringen. Es war 1780 als Schule erbaut und wurde zunächst auch als Küsterhaus genutzt.

Am 8. Mai 1901 begann mit dem „1. Spatenstich“ für die Zeche der lothringischen Gebrüder De Wendel der Bergbau in unserem Bereich. Mit der Industrialisierung kamen die Menschen zu Tausenden auch nach Herringen und Wiescherhöfen – und mit ihnen bald auch die Infrastruktur. Wohnungen, Schulen, Kindergärten, Straßen und Geschäfte schossen wie Pilze aus dem Boden. Die neuen Bewohner waren junge, zumeist kinderreiche Bergmannsfamilien. Sie kamen aus dem „alten“ Industrierevier zwischen Duisburg im Westen, Heeren-Werve im Osten, Sprockhövel im Süden und Disteln - eine Bauernschaft, heute Stadtteil von Herten - im Norden. Sie stellten die zweite Generation dar. Ihre Eltern waren zwischen 1880 und 1885 ins „Revier“ gekommen, zumeist aus den östlichen Provinzen des Deutschen Reiches. Sie hatten am bisherigen Wohnort schon „Stadtwerdung“ mit Straßenbahnen und festen Straßen erlebt.

Nun saßen sie hier „mitten im Grünen“, d.h. erst einmal meilenweit entfernt von Einkauf, Kirche und Schule. Wie unzufrieden die jungen Menschen waren, lässt die Statistik der neuen katholischen Schule in Wiescherhöfen nur erahnen: Im ersten Jahr 1907/1908 sind 246 Kinder zugezogen, aber auch 165 wieder fort- oder weitergezogen.

1910 gab es in Herringen und Sandbochum zusammen rund 600 Katholiken, aber zwei Jahre später war es bereits fast das Dreifache! Neue Kirchen mussten errichtet werden:

1906 in Rünthe eine Notkirche (heute Herz-Jesu). Im Jahr 1907 schied bereits die Westenheide (heute St. Josef und später St. Bonifatius) aus dem alten Kirchspiel aus. 1908 wurde in Wiescherhöfen (heute St. Marien) die erste Notkirche erbaut.

Für Herringen versuchte Pfr. Köhler schon 1914 einen Kirchbauverein zu gründen, doch der Ausbruch des 1. Weltkriegs machte alle Pläne zunichte. Der nächste Rückschlag kam durch die Inflation, so dass 1923/24 zunächst nur das Pfarrhaus und ein sog. Vereinsaal, der auch als Notkirche diente, gebaut werden konnten. Der neue Pfarrer Heinrich Elsing (ab 31.1.1927) trieb die Bautätigkeit energisch und erfolgreich voran. Das „Schwesternhaus“ als kleines Altenheim und Sozialstation“ entstand noch im gleichen Jahr, und am 1.10. 1928 wurde der Grundstein der Hl. Kreuz-Kirche gelegt. Am Fest Kreuz Erhöhung (14. Sept.) 1929 geschah die 1. Segnung und am Christkönigsfest 1930 bekam die Kirche ihre endgültige Weihe durch den Weihbischof Hillebrand aus Paderborn.

Viele katholische Arbeiter kamen direkt aus Schlesien, Ostpreußen und Polen, so dass auch in Wiescherhöfen eine Kirche gebaut werden musste: Hier war bereits 1907 aus einem früheren Schuppen eine erste Notkirche erbaut worden. Am 22. Januar 1908 war Kirchweih. Bis dahin mussten noch alle (zu Fuß) nach Nordherringen zur St. Peter- u. Paulskapelle kommen. Ein Jahr nach der Notkirchenweihe am 20. Januar 1908 erhielt die junge Gemeinde ein gutes Angebot: Der Bäckermeister Günter Berkemann hatte ein Grundstück beiderseits der Robertstr. / an der Provinzialstr. (jetzt Kamener Str.) erworben. Auf den Eckplatz baute er eine Bäckerei mit Backstube und großem Wohnteil. Die östlich gelegene Hälfte verkaufte er als Bauplatz für die neue Pfarrkirche. Das restliche Viertelstück hinter der Bäckerei an der Robertstr. bot er als Geschenk für den Bau des Pfarrhauses an , allerdings mit einer Klausel: Baubeginn ab 1914/1915. Nach nur sechs Monaten Bauzeit konnte Vikar Johannes Lahme sein Haus, das jetzige Pfarrhaus, beziehen.

Mit dem 1. Mai 1915 wurde für die Gemeinde in Wiescherhöfen eine eigene Vermögensverwaltung eingeführt. Die Gemeinde gehörte jedoch noch zur Pfarrei Herringen. Die Abpfarrung von der Kirchengemeinde Herringen und Gründung als eigenständige Pfarrei erfolgte zum 1. Juli 1921.

Für einen ordentlichen Kirchbau in Wiescherhöfen war die Sparsumme nicht ausreichend. Aus dieser Not entschied man sich für eine zweite Notkirche. So konnte am 28. August 1921 auf dem Grundstück an der Provinzialstr. (heute Kamener Str.) der Grundstein gelegt und das Gotteshaus am 2. April 1922 geweiht werden. Das war gerade noch unmittelbar vor dem tiefen Absturz in die Inflation. Schon in den 1930er Jahren mussten Zuganker eingezogen werden, damit der Dachstuhl nicht die Kirchenwände auseinander drückte.

Pfarrer Johannes Lahme erwarb ein Friedhofsgelände und den Platz für ein Schwesternhaus neben der alten Notkirche an der Gr. Werlstr. Die Bredelarer Schwestern „Zum Zeugnis der Liebe Christi“ besorgten für einige Jahre die Krankenpflege, Küsterdienste und Altenpflege. Die Schwestern waren auch als Kindergärtnerinnen in dem Kindergarten tätig, der in der 1. Notkirche entstanden war. Sie unterwiesen in der Nähstube junge Mädchen und Frauen im textilen Gestalten.

Der Bergbau prägte in den folgenden Jahrzehnten das Gesicht und die Geschichte der Gemeinden. Zwischen 1910 und 1928 entstanden in Herringen die Rentenkolonie, die Alte Kolonie sowie die Neue Kolonie mit rund 1 500 Wohnungen für die Werksangehörigen und deren Familien. Mit den Wohnungen ließen auch die Schulen nicht lange auf sich warten. Die Falkschule (1911), die heutige Lessingschule (1913), die Diesterwegschule (1920/ 21) sowie die Jahnschule (1927/30) wurden ebenfalls während dieser Zeit errichtet. Mit dem Bau der Zeche setzte darüber hinaus eine Flut von Anträgen auf Wirtschaftskonzessionen in Herringen und in der näheren Umgebung der Zeche ein. Allein für Herringen wurden bis 1931 13 neue Konzessionen erteilt. Alle Wirtschaften hatten teils Gesellschaftszimmer und Säle, in denen sich das gesellschaftliche Leben abspielte. Und nicht nur dort: Mit der Zuwanderung gedieh auch das Herringer Vereinsleben. Heimatvereine, Gesangvereine und vor allem Sportvereine wie der Turnverein (1903), der Herringer Spielverein (1922) und der DJK Fortuna (1923) und kirchliche Vereine wie KAB und Frauengemeinschaften entstanden. Bis 1933 gründeten sich mehr als 60 (!) Vereine der unterschiedlichsten Art. Auch hier war die Zeche großzügig und stellte das eine oder andere Gelände zur Verfügung.

Es war eine Zeit des großen Aufbruchs, die bald gleichzeitig von Notzeiten geprägt werden sollte. Es begann mit Wirtschaftsnot und Arbeitslosigkeit (1930 – 1934), politischer Drangsalierung (1936 – 1945), Verbot von kirchlichen Vereinen, Kriegszeit (1939 – 1945), Menschenverlusten, Hunger und Vertreibung. Es folgte die entbehrungsreiche Nachkriegszeit.

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte dann mit den Flüchtlingen aus den deutschen Ostgebieten die nächste große Zuwanderungswelle ein. Sie haben damals den Stadtbezirk ebenso geprägt wie später die türkischen Migranten, die Mitte der 60-er Jahre zu Hunderten nach Herringen und Wiescherhöfen kamen, denn der Bergbau suchte dringend Arbeitskräfte. Viele sind hier heimisch geworden und leben mittlerweile in der dritten Generation hier.

Auf Pfarrer Elsing folgte in Herringen 1951 Pfr. Eugen Hammeke, der nach neun Jahren krankheitshalber seinen Dienst in Herringen aufgeben musste. Sein Nachfolger wurde Pfarrer Josef Kiwitt, der von 1960 bis zum Frühjahr 1987 segensreich in Herringen wirkte.

1961 wurde das Jugendheim an Stelle des alten „Vereinshauses“ gebaut, ebenso wie der Kindergarten in der Fritz-Husemann-Str. Hinzu kamen der Erweiterungsbau des Altenheimes St. Josef, das jetzt 43 Plätze für Senioren vorhält und der Neubau der Friedhofshalle

Das Gebäude der 1. Wiescherhöfener Notkirche an der Gr. Werlstr., inzwischen Kindergarten (im Vorderteil) und rege genutzter, aber heruntergekommener Gemeindesaal wurde 1957 abgerissen. An der Stelle der 1. Notkirche entstand ein für damalige Zeit moderner St. Marien-Kindergarten, für drei Gruppen, der 1958 bezogen wurde.

Pfarrer Schulte griff das Kirchbauproblem wieder auf und wollte die Zeit der Notkirchen beenden. Ein Gutachten ergab, dass das Kirchengebäude völlig marode war und eine Sanierung nicht lohnte. Genau 50 Jahre nach der Grundsteinlegung zur 1. Notkirche im Jahre 1908 wurde am 12. Oktober 1958 der Grundstein für die Pfarrkirche gelegt. Am 30. August 1959 wurde die Kirchweihe vollzogen.

Der Kircheneingang ist zur Zeche hin ausgerichtet. Er wurde sowohl außen als auch innen wie ein Bergwerksstollen ausgebildet, damit die Gläubigen beim Kirchenbesuch aus dem angedeuteten dunklen Stollen in das Licht Christi eintreten. Der nachfolgende Pfarrer Hubert Bühlmeyer (1964 – 1993) konnte 1970 berichten, dass das Gotteshaus schuldenfrei sei.

 

Zur Unterstützung der Pfarrer wurde im Erzbistum die Institution der Gemeindereferenten gebildet. In Wiescherhöfen trat dieses Amt Frau Marlies Thiele an. Sie übernahm einen Teil der Aufgaben, die bis 1969 von den Ordensschwestern abgedeckt worden waren. In Herringen war dies Frau Maria Spellerberg. Im Sommer 1980 war das „Marienheim“ mit Gruppen- und Tagungsräumen mit viel Eigenhilfe der Gemeinde fertig gestellt. Selbst Pfr. Bühlmeyer legte kräftig mit Hand an.

Sein Nachfolger wurde 1993 Pfr.  Josef Eickhoff, der für 10 Jahre dieses Amt innehatte. In seine Zeit fiel eine sehr geschmackvolle Innenrenovierung der Marienkirche. Für Frau Thiele kam Frau Rita Wienand als Gemeindereferentin in die Gemeinde.

In Herringen wurde am 10. 5. 1987 Lothar Brieskorn als Nachfolger von Pfr. Kiwitt eingeführt. Frau Heidrun Menke löste 1988 Frau Spellerberg ab. Seit 1990 gab es den „Pfarrverband Hamm-West“, zu dem außer Hl. Kreuz, St. Josef, St. Liborius, St. Marien und St. Bonifatius gehörten. Wegen der steigenden Nachfrage nach Kindergartenplätzen baute die Gemeinde in Absprache mit der Stadt Hamm 1993 an der „Herringer Heide“ für 87 Kinder einen zweiten Kindergarten, die „KITA Hl. Kreuz“. In Wiescherhöfen war ein halbes Jahr vorher die KITA St. Barbara im Ortsteil Pelkum gebaut worden.

Das Altenheim St. Josef, seit 1990 in Betriebsträgerschaft des Caritas-Verbandes für die Stadt Hamm e.V., hat durch einen Anbau seine Kapazität auf 80 Plätze erweitert. Die gründlichen Innen- und Außensanierung der Pfarrkirche konnte im Jahr 2005 abgeschlossen werden.

Seit dem Jahr 2000 bilden unsere beiden Pfarreien St. Marien, Wiescherhöfen, und Hl. Kreuz, Herringen den Pastoralverbund „Pelkum-Herringen“. Leitender Pfarrer ist Pfarrer Lothar Brieskorn.

Inzwischen wohnt anstelle des früheren Wiescherhöfener Pfarrers Josef Eickhoff und nach Vikar Markus Berief Vikar Joy Puthur aus Indien seit 2006 in Wiescherhöfen und ist im Pastoralteam tätig. Ferner gehören zum Pastoralteam die Gemeindereferentin Heidrun Menke und der Diakon Heinz-Theo Marx.

Die Zeit der Kohleförderung ging 2010 zu Ende. Welche Veränderungen das mit sich bringen wird, ist im Einzelnen noch nicht absehbar. Wahrscheinlich werden einige junge Familien andernorts nach Arbeit suchen müssen, d.h. die Mitgliederzahlen werden weiterhin rückläufig sein. Z. Zt. hat Hl. Kreuz noch 3.825 und St. Marien 3.600 Mitglieder.

Mit rund 20% weist Herringen den größten Migrantenanteil aller Hammer Stadtbezirke auf. Ähnlich ist dieser Anteil – wenn auch nicht ganz so hoch – auch im Bereich von St. Marien. Seit 1990 gibt es in Herringen einen christlich-muslimischen Gesprächskreis, dann auch in Wiescherhöfen, der ganz bewusst ein gegenseitiges Kennenlernen und Toleranz fördert. Verschiedene Veranstaltungen wie Sprachkurse für türkische Frauen, Nachhilfe für Kinder, ein gemeinsames Straßenfest in der Robertstr., eine Berlinfahrt mit Jugendlichen u.a.m. haben dazu beigetragen. Ein anderes soziales Anliegen auf ökumenischer Ebene ist das sog. „Hammer Kinder-Ticket“, mit dem Kindern von Hartz IV- und Wohngeld-Beziehern ein leichterer Zugang zu bereits vorhandenen oder noch zu schaffenden Vergünstigungen auf Stadtebene ermöglicht werden soll, um die Ausgrenzung und die häufigen Selbstdarstellungen als „von Armut bedrohte Familien“ an vielen Stellen zu begrenzen und Hilfsmöglichkeiten besser zu bündeln. Ein neueres gemeinsames Projekt des christlich-islamischen Gesprächskreises ist die Gestaltung einer "Begegnungsstelle der Religionen" auf dem früheren Schacht-Franz-Gelände in Herringen in Zusammenarbeit mit der Stadt Hamm und anderen örtlichen Gruppen und Religionsvertretern.

Ende Mai 2014 trat Pfr. Brieskorn in den Ruhestand. Ihm folgte Pfr. Ludgerus Poggel (bisher Pfarrer von St. Laurentius im Hammer Westen) als Pfarrer von St. Peter und Paul und Leiter des Pastoralen Raum Hamm-Mitte-Westen (St. Laurentius und St. Peter und Paul).

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